Geplantes Freisetzungsexperiment in Ostdeutschland:
Gen-Weizen noch riskanter als befürchtet
Umweltinstitut München warnt vor einer Kontamination der Nahrungskette

München, 29. Februar - Das für dieses Frühjahr von der Universität Rostock geplante Freisetzungsexperiment mit genmanipuliertem Weizen erweist sich als immer riskanter. Kanadische Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass Weizen über deutlich größere Entfernungen auskreuzen kann als bislang bekannt. Das Umweltinstitut München warnt daher vor einer Kontamination der Nahrungskette mit transgenem Material.

Die Studie von Forschern der Universität Saskatchewan kommt zu dem Ergebnis, dass Weizenpollen bis zu 2,7 Kilometer weit fliegen können. Die Universität Rostock plant jedoch einen Sicherheitsabstand von nur 50 Metern zwischen konventionellen Weizenfeldern und den Versuchsflächen in Üplingen (Sachsen-Anhalt) und Thulendorf (Mecklenburg-Vorpommern). Nach Ansicht des Umweltinstituts München wäre eine gentechnische Kontamination der Nahrungskette daher vorprogrammiert. Das Institut fordert deshalb den Stopp des geplanten Versuchs. Andreas Bauer, Gentechnikexperte beim Umweltinstitut München: "Wenn Gen Weizen noch in fast drei Kilometern Entfernung die Felder verschmutzt, müssen Freilandexperimente mit solchen transgenen Pflanzen in Deutschland ein Tabu sein. Minister Seehofer muss schnell reagieren und Gefahren für Verbraucher und Landwirte abwenden."

Das Umweltinstitut München kritisiert auch, dass in die Weizenpflanzen Resistenzgene gegen Totalherbizide mit dem Wirkstoff Glufosinat eingebaut worden sind. Pflanzenvernichtungsmittel dieser Art werden zum Beispiel unter dem Namen Basta vom Agrar- und Chemiekonzern Bayer vertrieben. Von Gen-Pflanzen, die gegen diese Gifte resistent sind, profitiere ausschließlich die Industrie, die sich damit den gleichzeitigen Absatz von Spritzmitteln und patentiertem Gentechnik-Saatgut sichere, so Bauer.

Das Umweltinstitut München ruft daher zu Protestmails an Landwirtschaftsminister Seehofer und zu Einwendungen gegen den Freisetzungsversuch an die zuständige Genehmigungsbehörde auf. Mustertexte und weiter gehende Informationen stellt das Institut unter der Adresse www.umweltinstitut.org/genweizen2008 auf seiner Homepage zur Verfügung.

Harald Nestler, Vorstand beim Umweltinstitut München, ist sicher: "Verbraucherinnen und Verbraucher wollen keine Antibiotika-Resistenz, keine Pflanzengifttoleranz und auch keine Killerproteine in ihrem Brot. Weizen als eine der zentralen Nahrungspflanzen für die Weltbevölkerung muss deshalb gentechnikfrei bleiben."

Der Gen-Weizen soll durch ein so bezeichnetes Killerprotein resistent gegen eine Pilzkrankheit sein. Die manipulierten Pflanzen enthalten zudem ein Resistenzgen gegen das auch in der Humanmedizin verwendete Antibiotikum Ampicillin. In der Schweiz, dem Herkunftsland dieser Pflanzen, ist die Verwendung von Antibiotika-Resistenzgenen in transgenen Pflanzen ab 2009 verboten. Der jetzt in Deutschland beantragte Versuch wäre dort nicht mehr genehmigungsfähig.

Quelle: Umweltinstitut München