Atomkraft durch die Hintertür
Japan versucht, die Atomenergie als saubere Energie zu verkaufen

Bali/München, 08.12.2007 - In einem "Positionspapier für Clean Development Mechanism" (CDM) beklagte sich Japan auf der UN-Klimakonferenz, die derzeit in Bali stattfindet, dass die Atomenergie nicht als CDM anerkannt sei. Nuklearenergie sei eine "saubere" Energie, da sie beim Betrieb kein CO2 emittiere. Kein Wunder, Japan betreibt mehr als 40 Atomkraftwerke und kann seine Reduktionsverpflichtungen von Kyoto nicht einhalten. Andere Länder, wie zum Beispiel Indonesien, sind auf den Zug aufgesprungen und begrüßen diese Position.

Christina Hacker vom Vorstand des Umweltinstitut München, die zusammen mit der Physikerin Karin Wurzbacher an der UN-Klimakonferenz teilnimmt, erklärte dazu: "Dies ist ein schlechtes Signal, da das bisherige Verständnis von CDM diese Energieerzeugungsform aus gutem Grund ausgeschlossen hat." Karin Wurzbacher gibt weiter zu bedenken: "Atomenergie ist keine saubere Energieform. Man muss den gesamten Pfad vom Uranabbau bis zur Atommülllagerung betrachten. Dabei werden nicht nur das klimaschädliche CO2, sondern auch gesundheitsgefährdende radioaktive und andere chemisch aggressive Stoffe freigesetzt." Christina Hacker, Vorstand im Umweltinstitut München ergänzt: "Das einzig nachhaltige an der Atomkraft ist der über Jahrtausende strahlende, hochradioaktive Müll. Bis heute gibt es weltweit noch kein Endlager für hochaktiven Müll. Es ist eine unverantwortliche Hinterlassenschaft für unsere Kinder und Enkelkinder."

Die Atomkraft kann unser Klima nicht retten. Atomenergie trägt nur mit knapp 3 Prozent zum gesamten Endenergieverbrauch weltweit bei. Wenn Atomkraft einen größeren Anteil am Energiebedarf abdecken soll, dann müssten mehrere Tausend neue Atomkraftwerke in kurzer Zeit gebaut werden. Das ist ein völlig unrealistisches Szenario und käme obendrein fürs Klima zu spät.

Ebenso wie fossile Energieträger ist auch der Brennstoff Uran endlich. Die geschätzten Reserven reichen noch für etwa 70 Jahre. Bei einem drastischen Ausbau der Atomenergie würden die Uranreserven deutlich schneller zur Neige gehen. Außerdem wäre bei einer weltweiten Ausbreitung der Atomenergie der Zugang zu atomwaffenfähigem Material leichter, die Proliferationsgefahren würden dramatisch zunehmen. Die Welt würde dadurch nicht sicherer werden, im Gegenteil.

Das Umweltinstitut München fordert die Delegierten der Konferenz in Bali auf, sich dem im Oktober 2007 in Wien gefassten Beschluss der Umweltminister von Österreich, Deutschland, Irland, Italien, Lettland, Norwegen, Luxemburg und Island anzuschließen: Atomkraft ist kein Instrument, um auf die Herausforderung durch den Klimawandel zu antworten. All die oben genannten Gründe legen nahe, die Atomenergienutzung schnellstmöglich zu beenden.

Quelle: Umweltinstitut München