Universität Rostock beantragt Freilandversuch: Verbotener Gen-Weizen für Ostdeutschland
Umweltinstitut München fordert Stopp für Pflanzen mit "Killerprotein"

München, 11. Februar - Die Universität Rostock will ab diesem Frühjahr in Ostdeutschland ein Freilandexperiment mit genmanipuliertem Weizen durchführen. Die Pflanzen, deren Anbau in der Schweiz verboten ist, sollen gegen eine Pilzerkrankung resistent sein. Das Umweltinstitut München warnt vor den Risiken.

Der transgene Weizen soll bis zum Jahr 2010 an den Standorten Üplingen (Bördekreis, Sachsen-Anhalt) und Thulendorf (Kreis Bad Doberan, Mecklenburg-Vorpommern) wachsen. Den Pflanzen wurde ein Gen eingebaut, welches das so bezeichnete Killerprotein KP4 produziert. Dadurch soll die Resistenz gegen den Weizenflugbrand, eine Pilzerkrankung, erhöht werden. Die von Wissenschaftlern der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich entwickelten Gen-Pflanzen waren in der Schweiz schon 2004 in einem Freilandversuch erfolglos getestet worden. Da der Weizen neben dem "Killerprotein" auch riskante Antibiotikaresistenzgene enthält, wäre der beantragte Versuch in der Schweiz heute nicht mehr genehmigungsfähig.

Harald Nestler, Vorstand beim Umweltinstitut München, findet es absurd, dass in Deutschland Versuche mit Gen-Pflanzen durchgeführt werden sollen, die in dem Land verboten sind, in dem sie entwickelt wurden. "Deutschland darf nicht zum Versuchsgelände für Gen Pflanzen werden, deren Aussaat woanders aus Sicherheitsgründen nicht mehr erlaubt ist. Speziell Freilandexperimente mit Weizen, einer der zentralen Nahrungspflanzen für die Weltbevölkerung, sowie die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen sind unakzeptabel. Der Versuch muss daher unterbunden werden."
Die manipulierten Weizenpflanzen enthalten ein Resistenzgen gegen das auch in der Humanmedizin verwendete Antibiotikum Ampicillin. In der Schweiz ist der Anbau von Pflanzen mit solchen Genen ab dem kommenden Jahr verboten, weil die entsprechenden Antibiotika durch den Verzehr der genmanipulierten Pflanzen unwirksam werden könnten.

Das Umweltinstitut München kritisiert weiter, dass die Sicherheitsmaßnahmen für das jetzt beantragte Experiment völlig ungeeignet sind, um eine gentechnische Verschmutzung von konventionellen Äckern zu verhindern. So sollen die benachbarten Weizenfelder lediglich 50 Meter von den geplanten Versuchsflächen entfernt liegen. "Selbst die gentechnikfreundliche Genehmigungsbehörde, das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, gibt zu, dass Weizenpollen bis zu 300 Meter weit fliegen können", sagt Andreas Bauer, Gentechnikexperte beim Umweltinstitut München. Die gentechnische Erzeugung einer Flugbrandresistenz sei zudem völlig überflüssig. Versuche hätten gezeigt, dass mehr als ein Viertel von über 100 untersuchten konventionellen Sorten natürlicherweise resistent gegen die Pilzerkrankung sind. "Jeder Landwirt kann schon heute flugbrandresistente Weizensorten anbauen", meint Bauer. "Hier zeigt sich wieder einmal, wie überflüssig die Gentechnik ist. Und es ist ärgerlich, dass für einen solch offensichtlichen Unfug öffentliche Gelder verschwendet werden sollen.

Quelle: Umweltinstitut München